Pfadfinderische Erziehung gegen Jugendkriminalität

Schlauchbootfahrt

Schlauchbootfahrt

Die seit Jahren hohen Fallzahlen in der Jugendkriminalität weisen auf gesellschaftliche Defizite hin. Junge Menschen sind aber auch erheblich gefährdet durch Alkohol und Drogenkonsum. So hat sich nach wissenschaftlichen Untersuchungen der erste Kontakt mit Alkohol „vorverlagert und beginnt bereits im Alter von 10 bis 12 Jahren“.

Kinder und Jugendliche orientieren sich in allen Phasen ihrer Entwicklung an Vorbildern aus ihrer Umwelt. Diese prägen den heranwachsenden Menschen, seine Werte und sein Verhalten in positiver oder negativer Weise ganz entscheidend mit. Die Erziehung durch Vorbilder ist für den jungen Menschen eine der wirkungsvollsten Formen der Charakterschulung überhaupt.

Wasser holen auf dem Sommerlager

Wasser holen auf dem Sommerlager

Insbesondere Fragen der Lebenseinstellung und -führung werden nicht durch theoretische Vorlesungen entschieden, die zur Klärung durchaus ihre Funktion haben, sondern durch abschreckende oder anziehende Beispiele.

Wesentlich für die Gültigkeit und Anerkennung von Werten ist, daß sie mit dem Handeln übereinstimmen.

Wir arbeiten getrennt nach Altersstufen mit Kindern ab sechs Jahren bis hin zu jungen Erwachsenen. Dabei verstehen wir unsere Tätigkeit nicht als eine beliebige Form von Freizeitbeschäftigung, sondern wollen Kindern und Jugendlichen Werte wie Verantwortungsbewußtsein, Zuverlässigkeit und Ausdauer, Gemeinsinn, Hilfsbereitschaft, Gründlichkeit und Toleranz vermitteln.

Dadurch sollen junge Menschen in die Lage versetzt werden, unsere demokratische Gesellschaft verantwortlich mitzutragen.

Indem wir die Kinder frühzeitig in eine wertorientierte Gemeinschaft einbinden, wollen wir Orientierung geben und damit Fehlentwicklungen vorbeugen. Somit wirkt unsere Jugendarbeit auch prophylaktisch gegen Fehlentwicklungen unserer Zeit.

 

Kriminologe: Jugendzentren können Gewalt begünstigen

(dpa) Hannover – Schlechtgeführte Jugendzentren haben nach neuen Erkenntnissen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) großen Einfluß auf die Jugendkriminalität. „Solche Einrichtungen, in denen eine wackelige Tischtennisplatte steht und ein frustrierter Sozialarbeiter seinen Dienst abschiebt, können Brutstätten der Bildung krimineller Cliquen sein“, sagte KFN-Direktor Professor Christian Pfeiffer in Hannover.

Studien unter knapp 13 000 Jugendlichen in Deutschland hätten gezeigt, daß sich knapp die Hälfte aller gewaltbereiten Cliquen in Jugendzentren kennengelernt haben. Pfeiffer betonte, gutgeführte Einrichtungen seien „wichtige Orte der Prävention“.

In der kürzlich in Bonn vorgelegten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) waren die Zahlen bei der Jugendkriminalität entgegen dem allgemeinen Trend erneut gestiegen. Pfeiffer „Je passiver in Jugendzentren agiert wird, je mehr Personal fehlt und bestimmten Gruppen die Räume schlichtweg überlassen werden, desto größer werden die Probleme.“ Deshalb müsse die Jugendarbeit intensiviert werden. „Ein gutes Beispiel sind Sportvereine oder Pfadfindergruppen. Sie haben geradezu eine Art Schutzimpfungseffekt in Sachen Jugendkriminalität.“ Dort könnten die jungen Menschen in der Gruppe Anerkennung finden und gemeinsam Erfolge erleben.

Rund zehn Prozent der Befragten zwischen 14 und 16 Jahren aus zehn deutschen Städten in Ost- und Westdeutschland hätten angegeben, in hochgradig gewalttätigen Cliquen zu sein. Sie sind für fast 60 Prozent der Gewalttaten verantwortlich: „Das ist der harte Kern“, sagte Pfeiffer. Für eine erfolgreiche Prävention sei es daher notwendig diese Cliquen zu erreichen. „Es kommt auch darauf an, diesen Cliquen Alternativen zur Kriminalität zu bieten. „

Besonderen Einfluß auf die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen habe aber auch das Elternhaus. Pfeiffer: „Jugendliche aus gewaltbelasteten Familien schließen sich fast dreimal so oft zu Cliquen zusammen, die Gewalt befürworten.“ Deshalb sei es wichtig, auch bei den Familien anzusetzen.

(Artikel aus der Zeitung „Die Welt“ vom 07.06.1999, Seite 2)